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Nur noch 2 Monate bis zur Nationalratswahl in Österreich

Einen weiteren Rekord hat dieser Wahlkampf in der letzten Woche geliefert. Die Anzahl der gewählten Mandatare, die die Parteiseiten in einer Legislaturperiode wechseln hat mit der Rückkehr von Robert Lugar zur FPÖ ein Allzeit-Hoch erreicht. Keine einzige Partei hat noch die gleiche Anzahl an Abgeordneten im Nationalrat wie nach der Nationalratswahl 2013. Fast gleichzeitig mit dem Zuwachs durch Lugar verlor die FPÖ ihre frühere Bundespräsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz an die Freie Liste von Ex-FPÖ-Salzburg-Chef Karl Schnell. Diese Liste hat damit bereits fünf statt der nötigen drei Unterschriften von Abgeordneten für das bundesweite Antreten bei der kommenden Wahl. Auch die Liste Pilz von Ex-Grünen-Chef Peter Pilz konnte in den letzten Wochen die notwenigen drei Unterschriftenbringer präsentieren. Über die zweite Möglichkeit, 2600 Unterschriften österreichweit zu sammeln, hat nun auch das Wahlprojekt von Kabarettist Roland Düringer unter dem Namen "Gilt" seinen Platz auf allen Wahlzetteln gesichert. Weitere wahlwerbende Gruppierungen sind noch auf Unterschriftenjagd, dennoch wird die Auswahl für die Wählerinnen und Wähler am 15. Oktober 2017 bei der Nationalratswahl wieder umfangreich sein. Und die Chancen für die einzelnen Listen in den Nationalrat einzuziehen? Unser Kerngeschäft hier bei Poll of Polls ist das aggregieren von allen verfügbaren Umfragen und damit sind wir von deren Fragestellung abhängig und können nur Werte für die Parteien aufzeigen, die auch in den Umfragen abgefragt werden. Das ist derzeit 'nur' für sechs Parteien möglich. Doch alle diese sechs Parteien liegen derzeit über der 4-Prozenthürde und würden, wenn diesen Sonntag Wahlen wären, höchstwahrscheinlich den Sprung ins Parlament schaffen. Nun findet die Wahl aber erst in zwei Monate statt. Einige Trends können wir aber ablesen und versuchen die Wahrscheinlichkeiten von verschiedenen Szenarien abzustecken.
 
Der bisher fehlerlose Wahlkampf von Sebastian Kurz für seine ÖVP, bei dem er durch das Vermeiden von inhaltlichen Aussagen und dem Verweis, ein Programm würde erst Ende September veröffentlicht, inhaltlich wenig Angriffsfläche bietet, erhöht die Chancen diesen Kurz-Effekt bis zum Wahltag beizubehalten. Wenn auch wohl kaum mit den derzeitigen Höchstwerten von 33%, ist der erste Platz für die ÖVP sehr realistisch. Das hängt auch mit den vielen Pannen im Team der derzeit auf Platz 2 in den Umfragen liegenden SPÖ zusammen. Erst tritt ihr Kampagnenmanager zurück und diese Woche wurde ihr Kampagnen-Berater in Israel wegen Korruptions- und Geldwäsche-Verdacht verhaftet. Kein gutes Bild für die Kanzlerpartei, die mit dem neuen Gesicht Christian Kern und einem detaillierten inhaltlichen Programm ursprünglich gute Karten hatte. Die Chancen für Christian Kern könnten sich jedoch verbessern, wenn er in den TV-Duellen überzeugen kann. Ein Risiko, dass auch Sebastian Kurz erkannt hat und gleich das erste Kanzlerduell im September abgesagt hat. Es hätte ihn wohl gezwungen von seiner Strategie abzuweichen und zu früh inhaltlich Position zu beziehen und damit von seinem klaren Unique Selling Point, der Migrations- und Mittelmeerthematik, ablenken zu lassen. Schwer einschätzen kann man derzeit die Chancen für die FPÖ unter Heinz-Christian Strache, deren Wahlkampf noch nicht vollkommen gestartet ist. Sie wird aber wohl deutlich nach rechts driften und mit dem 'Österreich zuerst'-Slogan gar bei Trump Anleihe nehmen. Ob diese Strategie aufgeht oder ob sich die Partei mit Platz drei hinter ÖVP und SPÖ schon abgefunden hat wird sich noch zeigen.
 
Und die drei kleinen Parteien? Die Grünen haben nach internen Streitigkeiten und neuen, in Österreich eher unbekannten Gesichtern an der Spitze klare Nachteile und werden wohl deutlich unter 10% liegen. Ihre Kernwählerschaft liegt aber sicher über 4% und macht ein Ausscheiden aus dem Nationalrat nicht realistisch. Die NEOS konnten mit Irmgard Griss und pointierten Wahlkampfaktionen wie der angekündigten Klage gegen die Pflichtmitgliedschaft bei der Wirtschaftskammer medial Aufmerksamkeit generieren und ihre Chancen auf den Wiedereinzug in den Nationalrat festigen. Die Liste Peter Pilz hat ebenfalls den Wahlkampf noch kaum gestartet, bekommt aber viel gratis Medienaufmerksamkeit und verspricht den Wahlabend spannend zu machen. Der Einzug ist aber klar in Reichweite. Regelmäßig auf pollofpolls.eu reinzuschauen lohnt sich also weiterhin. Auch für die Umfragen für die deutsche Bundestagswahl, die schon am 24. September über die Bühne geht.

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